|
Die Chorfamilie feiert Karneval
Die letzte Chorprobe fand einen überraschenden Abschluß. Gleichsam aus dem Stegreif wurde Karneval gefeiert. Für Getränke und leckere Knabbereien war vorgesorgt, und Birgit Kill hatte anläßlich ihres „runden“ Geburtstages den Sekt spendiert, der die Fröhlichkeit zusätzlich stimulierte. Überraschend für die Chorfamilie war sicher die Anwesenheit des Heisterbacherrotter- Thomasberger Karnevalsprinzen Detlev I. mit seinem höfischen Gefolge. Der Prinz und sein Hofstaat wird ebenso wie die Chorfamilie seinen Spaß an manch gutem Gespräch gehabt haben. Für zusätzliche Fröhlichkeit sorgten einige Chormitglieder mit von ihnen vorgetragenen Beiträgen. Marliese Weyler berichtete von einer Schiffsreise mit ihren Vorzügen hinsichtlich einer umfassenden Gesundheitsfürsorge. Sie stand so ganz im Gegensatz zu dem, was man heute im Lande der Gesundheitsreform erwarten kann. Jürgen Martens beschäftigte sich mit einem sizilianischen Gastarbeiter, dem man nicht nur mit Freuden begegnete. Willi Joliet zeigte am kölschen Wort „Jet“ die unglaubliche Variationsbreite der Kölner Mundart auf. Auf einen Nenner gebracht: Das Hochdeutsche kann mit einem Wort auch nicht annähernd das artikulieren, was der Kölner mit seinem „Jet“ zum Ausdruck bringt. Unsere poeta laureata – Maria Meurer – erfreute alle mit ihrem erfrischenden Kunstwerk aus dem Leben des Chores: „Chorinterna“. Maria Meurer hat freundlicherweise die Wiedergabe ihres Textes an dieser Stelle gestattet. Zum Abschluß berichtete Albert Noltemeier von seinen Reminiszenzen an eine Herrensitzung. Unter anderem führte er an einem Beispiel vor, daß wir Deutschen in der Welt immer noch die Größten sind: Ein Amerikaner, ein Russe und ein Deutscher sitzen zusammen und unterhalten sich. Der Amerikaner erzählt von einem neuen Flugzeug, das so groß ist, daß hier ein Rugbyfeld mit Sitzmöglichkeiten für 20.000 Zuschauer Platz gefunden hat. Der Russe winkt müde ab. „Das ist noch gar nichts. Wir haben ein neues Flugzeug entwickelt mit einem Fußballfeld, an dem 100.000 Zuschauer bequem Platz finden.“ Der Deutsche schweigt und be- fragt, ob er nicht auch von einer neuen technischen Flugzeugerrungenschaft berichten könne, sagt er: „Ja, wir haben ein besonderes Flugzeug entwickelt“ und fährt dann wie folgt fort. Im Cockpit sagt der Pilot zu seinem Copiloten: „Ich höre ein seltsames Geräusch. Nimm unseren VW und fahre in den rechten Flügel und sieh dich um.“ Nach zwanzig Minuten kommt der Copilot unverrichteter Dinge zurück. Der Pilot schickt ihn mit dem VW in den linken Flügel. Nach zwanzig Minuten das gleiche Ergebnis. Der Pilot hört jedoch noch immer das Geräusch. Der Copilot erhält die neue Order, mit dem Porsche in das Heck des Flugzeugs zu fahren. Nach zwei Stunden kehrt er zurück und berichtet. „Abgesehen von deinem ausgezeichneten Gehör hab ich folgende Erklärung für das Geräusch entdeckt. Die Crew hat vergessen, in einer Heckkabine das Fenster zu schließen. Dort ist eine Boing hineingeflogen und findet den Weg nicht mehr hinaus. Statt dessen zieht sie in der Kabine nun ihre Runden.“
|
“Chorinterna” von Maria Meurer
Ihr Jecken hier in diesem Land, mir seid ihr alle wohlbekannt; die Sänger hier in diesem Saal ich grüße Euch viel tausend Mal. Das Dreigestirn vom Vorstand, auch dies ist bei uns im Chor so Brauch, alle singen froh und heiter, von Jahr zu Jahr immer weiter. Zusammen reden sollen wir nicht, zusammen singen wäre unsere Pflicht. Beim englischen Gesang müssen alle leiden, dabei sollen wir auch noch Bäckchen zeigen. Jedesmal komm ich dabei ins Schwitzen, da bleib ich lieber auf meinen Bäckchen sitzen. Die Maria Falkenhain kann kein Englisch und singt nicht mit, ich singe englisch und kann et och nit. Der Kirchenvorstand hat beschlossen, für die Orgelempore einen Lift einzubauen. Der Chor hat so viele alte Sänger, die zwar noch gut singen, aber keine Treppen mehr steigen können. Jeder Sänger bekommt auch seinen eigenen Stuhl auf der Empore. Totale Verschwendung, da Pastor Schiffers sich doch immer sehr kurz faßt. Unser Pastor wäscht und bügelt seine Oberhemden selber, na und, ja warum sagt mir das denn keiner, bevor ich geheiratet habe. Der letzte Chorausflug war ein voller Erfolg. Meine Hälfte und ich standen vor der Zimmertür im Hotel mit der Schließkarte in der Hand, nichts tat sich. Da rief jemand: „Die müßt ihr reiben.” Der Heinz rieb die Karte an seinem Bauch rauf und runter, hin und her, nichts passierte. Da hab ich gesagt: „Hier mußt du reiben, dann han ich och jet dovon.“ Ich konnte nicht ins Zimmer gehen und hat' das Wasser bis zum Halse stehen. Drum werd ich, wenn ich verlaß das Haus, niemals ohne Pampers gehen aus. Zur Frauenkirche war ein Ausflug angesagt, wir fuhren dorthin am nächsten Tag. Stundenlang standen wir in der Menge an, so etwas Verrücktes hab ich noch nie getan. Auf der Treppe ein Geschupse nach Menschen Art, ich hann noch jerufe: „Schnüppchen halt dich fest, gleich haben wir auch noch Maria Himmelfahrt.” Denn wär mir ming Sternchen abhanden gekomme, den hätt ich niemals widder gefunge. Seit der Franz und der Willi nicht mehr im Vorstand sind, kümmern sie sich mehr um Haus und Kind. Bei den beiden kommt oft Langeweile auf, das nimmt oft einen verheerenden Lauf. So holt der Franz nicht nur den Hühnern die Eier weg, er knickt sie auch selbst. Jeden Abend, wenn das Licht im Hühnerstall ausgeht, schleicht er sich mit der Taschenlampe an und schaut, ob die Hühner auch die Augen schließen beim Schlafen. Nach dem Motto: Nur wer gut schläft, bringt Leistung. Aus diesem Grund ist auch die Bundesregierung in einen größeren Schlafbunker nach Berlin gezogen. Der Willi Joliet putzt der Burga jeden Tag das Fahrrad. Im Sommer mäht er zweimal am Tag den Rasen, düngt aber sofort wieder, damit das Gras schneller wächst. Neulich mußte ich bei Bellinghausens etwas bestellen. Der Franz stand in der Küche und schälte Kartoffeln. Der Willi rührte im Salat. Die Annemarie wendete den Braten. Der Edgar saß im Wohnzimmer am Klavier und spielte „Ihr Kinderlein kommet", und die Resel war bei der Fußpflege. Ich konnte mich vor Lachen nicht halten. Da schnappte sich der Franz einen Eimer mit Schwamm und rief: „Maria, du kannst mir noch das Auto waschen.“ Der Franz ist auch im Oberpleiser Gewerbeverein. Der Verein paßt auf alles auf. Zum Beispiel, daß der Pleisbach nicht aus seinem Bett springt, daß die Autos im Kreisverkehr immer rechts fahren. Um 20.00 Uhr klappen sie in der Siegburger Straße die Bürgersteige hoch, dann ist da „Tote Hose“. Dabei achten sie immer darauf, daß die Kirche im Dorf bleibt. Auf dem Kirchplatz wird eine neue Halle erstellt für die Leute, die zu Hause nicht mehr rauchen dürfen. Die Leute sind dann schon näher beim Friedhof. Es gibt immer was zu tun, hauen wir ab. Die Anneliese wollte mit der Erika nach Bangkok fliegen. Im Reisebüro wurden sie gefragt: „Über Athen oder Bukarest fliegen?“ „Nein”, rief Erika, „wir können nur über Ostern. Wir sind Rentner.“ Mein Enkel hat mich gefragt, was ich mit dem Sack Hühnerdung mache. "Den streu ich auf die Erdbeeren.“ „Aber Oma, wir machen das mit Sahne.“ Auf Mallorca in einer Gaststube wurde Marliese Weyler gefragt: "Essen Sie gerne Wild?" „Um Gottes Willen, ich hab es lieber ruhig und gelassener.“ Der Bernd Fiebig stand auf dem Schulhof. Kommt die Rektorin vorbei und fragt: „Erwarten Sie ein Kind?“ Der Bernd streicht sich über den Bauch und meint: "Das sieht nur so aus.” Drumm, liebe Sänger, ich muß jetzt gehen, ich kann nicht so lang auf meinen Beinchen stehn. Schnell muß ich nach Hause rennen und mich schnell von meinen Pampers trennen. Nun macht Euch noch ein bißchen Freud', das Leben dauert keine Ewigkeit.
|