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Chorreise Dresden vom 29.09. bis 03.10.2006

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29.09.2006

Fast pünktlich - um 06.25 Uhr - verließ der Reisebus der Firma Rötzel Thomasberg. Alle Mitreisenden waren ausgezeichneter Stimmung. Albert Noltemeier begrüßte die Teilnehmer, anschließend sprach Marliese Weyler den Reisesegen. Der Chor versuchte sich dann an dem Satz “Irischer Reisesegen”. Es lag wohl an der frühen Stunde, daß der Gesang noch nicht so recht gelingen wollte.
Um 08.10 Uhr wurde die erste große Pause kurz vor Gießen eingelegt. Unsere Chordamen bereiteten die Brötchen mit Wurst und Käse vor und schenkten schmackhaft starken Kaffee aus. Nebenbei servierte Marliese Weyler einen “süßen” und einen “sauren” Obstler für die Verdauung. Herr Rötzel machte sich verdient, indem er zur Erweiterung des Frühstücks gekochte bunte Eier anbot. Gegen 09.10 Uhr saßen alle wieder im Reisebus und fieberten der Weiterfahrt entgegen.
Während der Fahrt informierte Herr Rötzel über den geplanten Verlauf des Dresdenaufenthalts. Im Mittelpunkt standen die verschiedenen Örtlichkeiten, jeweils an den einzelnen Tagen das Abendessen einzunehmen, hatten wir doch Halbpension gebucht.
An der Abfahrt “Alsfeld” machte Annemarie Peters auf die sehenswerte Alsfelder Altstadt mit ihren einmaligen Fachwerkbauten aufmerksam. Sie informierte im übrigen während der weiteren Fahrt immer wieder kenntnisreich über markante Sehenswürdigkeiten.
Von der A4 bei Eisenach erblickten wir auf den Höhen des Thüringer Waldes die mächtige Wartburg. Sie ist nicht nur wegen ihres berühmten Bewohners Martin Luther, sondern auch wegen des Landgrafen Konrad IV. und seiner aus Ungarn stammenden Gemahlin Elisabeth, sie hatte sich zu ihren Lebzeiten ganz der Armen- und Krankenpflege gewidmet, im Bewußtsein der Menschen  verblieben. Auf einige Highlights in Eisenach machte Annemarie Peters aufmerksam: u. a. gibt es hier ein Fritz-Reuter-Haus und ein Richard-Wagner-Archiv, Anziehungspunkte für an Musik und der niederdeutschen Sprache Interessierte.
Auf der Weiterfahrt Richtung Erfurt passierten wir das Burgenensemble “Drei Gleiche”. Dabei handelt es sich um die Höhenburgen Wachsenburg, Mühlberg und Gleiche, die mit ihren Anfängen aus dem 11. Jahrhundert stammen. Um die Burg Gleiche rankt sich die Sage um einen Ritter gleichen Namens, der eine Doppelehe u. a. mit einer Orientalin geführt haben soll. Diese Geschichte ist an keine bestimmte Person des Rittergeschlechtes derer von Gleiche geknüpft. Doch kann durchaus das Epitaph eines Grafen von Gleiche mit seinen beiden Ehefrauen im Erfurter Dom zur Entstehung der Sage angeregt haben.
In Erfurt gab es von 11.30 bis 14.00 Uhr Gelegenheit zu vielfältigen Aktivitäten: zum Stadtbummel, Shopping, Essen und natürlich zur Besichtigung des berühmten Erfurter Kirchberges mit dem gewaltigen Erfurter Dom und seinen Kostbarkeiten.
Hatten wir auf der Autobahn bis zur Abzweigung Leipzig Glück mit dem Verkehr, verließ es uns ab dieser Stelle. Eine Stunde lang quälten wir uns mit “stop and go” durch einen mächtigen Stau. Nach mehr als 12stündiger Busfahrt erreichten wir gegen 18.55 Uhr unser Dresdner Ziel: das Hotel  Königshof.

30.09.2006

Kurz vor neun Uhr saßen alle erwartungsvoll im Bus zur Stadtrundfahrt. Sie sollte uns drei Stunden lang in Anspruch nehmen. Die Fahrt führte uns im Schnelldurchgang durch die Altstadt zum Elbufer. Auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe blickten wir auf die Schlösser Albrechtsberg, Lingner und Eckberg. Albrechtsberg wurde im spätklassizistischen Stil vom preußischen Landbaumeister Albrecht Lohse für Prinz Albrecht von Preußen, dem jüngsten Bruder des späteren Kaisers     Wilhelm I.,  Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut. Heute wird die Anlage kulturell genutzt. Schloß Lingner (Villa Lingner) diente, ebenfalls nach den Plänen Lohses erbaut, dem Kammerherrn Albrechts, dem Baron von Stockhausen, als standesgemäße Wohnung. Heute gehört das Schloß der Stadt Dresden. Die letzte Anlage - Schloß Eckberg - ist vielen unter dem Namen Villa Souchay bekannt. Der Großkaufmann John David Souchay ließ das Gebäude in der Mitte des 19. Jahrhunderts im englischen Stil errichten. Den Namen Eckberg erhielt das Schloß von einem Ecksporn des Berges, auf dem es errichtet wurde. Heute suchen das Schloß, nachdem es in DDR-Zeiten als Jugendtouristikhotel genutzt wurde, zahlungskräftige Gäste auf. Nicht vergessen werden darf das kleine Schillerhäuschen, das sich rechts an Schloß Eckberg anlehnt. Es gehörte einst als Gartenhaus der Familie des Schillerfreundes Christian Gottfried Körner. Körner stellte das Haus Friedrich von Schiller zur Verfügung, so daß er hier  in Muße an seinem “Don Carlos” arbeiten konnte.
Offenbar gehört es zu einem Muß, Pfunds    Molkerei in der Dresdner Neustadt aufzusuchen. Hier soll man zwischen 129 internationalen Käsesorten und 200 Senfarten das für sich Passende aussuchen können. Der Andrang dort war gewaltig. Von den berühmten Villeroy  & Boch-Fliesen, die die Einrichtung zieren, war kaum etwas zu sehen.
Der Nachmittag sollte uns in die Frauenkirche führen. Leider vergeblich, denn die Kirche war wegen einer Konzertprobe nachmittags für den Publikumsverkehr nicht zugänglich. Die Enttäuschung war riesengroß. Sie ließ sich jedoch kompensieren über eine sachkundige Führung durch die Semperoper und einem daran anschließenden Besuch des neuen Grünen Gewölbes in der Residenz der Wettiner.
Der insgesamt ereignisreiche Tag fand einen angenehmen Abschluß mit einem Abendessen auf der Sophienterrasse im wiedererstandenen Taschenbergpalais. Nicht vergessen werden  soll, daß uns hier der Kurfürst und König von Polen, August der Starke, in barocker Kostümierung aufwartete und uns mit derben Sprüchen erfreute.

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01.10.2006

Der dritte Tag unserer Reise hatte die Sächsische Schweiz zum Ziel. Zunächst ließ der Tag Schlimmes erwarten, denn der Himmel schüttete Eimer voller Regenwasser auf uns aus. Doch das Wetter besserte sich zusehends und damit auch unsere anfangs der Wetterlage angepaßte Stimmung.
Schloß Pillnitz, die Lustschloßanlage August des Starken,  gab uns einen Eindruck davon, wie prachtvoll die Fürsten in der Barockzeit gelebt haben. Kaum kam in dieser herrlichen Einrichtung ein Bewußtsein dafür auf, auf wessen Kosten diese Schloßanlagen einst erbaut wurden. Daß es überwiegend die bäuerliche Bevölkerung war, die unter unsäglichem Leid und größter Armut den Luxus ihrer Obrigkeiten schaffen mußte!
Weiter ging es zur Bastei mitten im Elbsandsteingebirge. Eine Zauberwelt mit bizarren Felsformationen - teilweise verhangen mit dichten Nebelschwaden! Auf der Basteihochfläche befand man sich etwa 200 Meter über der Elbe. Von hier oben bot sich bald ein phantastischer Blick über das Elbtal, als sich die Nebel plötzlich auflösten. Man durfte ein wenig erschauern bei dem Gang über die 1851 erbaute Basteibrücke, schwindelerregend hoch über dem Wehlgrund angelegt. Wen nimmt es wunder, daß auf diesen verwunschenen Höhen im Mittelalter die Raubritterfestung Neurathen entstanden war. Sie war bei geschickter Nutzung der natürlichen Gegebenheiten sicher lange Zeit nicht nur bedrohlich, sondern auch uneinnehmbar gewesen. Nicht ausgeschlossen ist, daß diese imposanten Felsenwelt Carl Maria von Weber zur “Wolfsschlucht-Szene” in seiner Oper “Der Freischütz” inspiriert hat.
Der Weg führte uns weiter zur Festung Königstein. Erstmals wird sie im 13. Jahrhundert erwähnt und um 1600 unter Kurfürst Christian I. zur Festung ausgebaut. Sie diente den sächsischen Kurfürsten als wehrhafter, nie eroberter Sitz. Viele Berühmtheiten hielten sich auf dieser Festungs- und Schloßanlage auf, darunter Zar Peter der Große und Napoleon Bonaparte. Traurige Berühmtheit erlangte der Königstein als Staatsgefängnis. In den Verliesen schmachteten einst der Erfinder des Porzellans Johann Friedrich Böttger (1706/07), der russische Anarchist Michail Bakunin (1849/50), der Sozialist August Bebel (1874) und der Dichter Frank Wedekind (1899).
Nach diesen Eindrücken begaben wir uns dann auf den Raddampfer “Leipzig” und genossen eine eineinhalbstündige Fahrt auf der Elbe nach Pirna. Für den Technikinteressierten sei angemerkt, daß das Schiff von einer zweizylindrigen, 1929 gebauten Dampfmaschine angetrieben wurde, die sich in einem phantastischen Zustand befand. Das war äußerlich sichtbar an dem “polierten” Pleuelgestänge und den leuchtenden Farben des Maschinengehäuses und dem blitzblanken Fußboden des Maschinenraumes.
Gegen 17.45 Uhr kehrten wir zurück ins Hotel. Ein ereignisreicher Tag war fast zu ende. Wir haben viel gesehen und viele neue Eindrücke gewonnen. Wer Sachsen bereits vor der deutschen Einigung erleben durfte, wird dieses Bundesland mit seinen Menschen, Städten und Dörfern heute kaum wiedererkennen. Die Tristesse ist endgültig verschwunden, überall leuchten frische Farben, der äußerliche Fortschritt in den Lebensbedingungen ist unübersehbar. Wenn nur noch die Menschen in ihren Köpfen - sowohl im Westen als auch im Osten - alte Zöpfe und überholte Schemata überwinden würden! Das Erreichte darf nicht dadurch gefährdet werden, daß die einen meinen, man solle die Mauer wieder errichten oder andere die Auffassung vertreten, die alte DDR müsse aufleben.
Getrübt wurde der Abschluß des Tages mit dem gemeinsamen Abendessen im Restaurant “Altmarkt”. Diese Lokalität ist, um es prägnant auszudrücken, nicht empfehlenswert.

02.10.2006

Dieser Tag war eigentlich vorgesehen für einen Besuch in der Bergstadt Freiberg. Wir wollten      u. a. die Silbermann-Orgel in der Petrikirche erleben und hier eine kleine Vesper gestalten. Kurz entschlossen wurde jedoch das Programm umgestellt, und wir machten uns auf, das Innere der Frauenkirche zu erleben. Nach einem mehr als zweistündigem Schlangestehen vor diesem einmaligen Gebäude gelangten wir in das Innere. Der Eindruck war überwältigend. Wenig erinnerte an die Zerstörung dieser Kirche im Bombenhagel der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 1945. Das beim Wiederaufbau gezeigte handwerkliche, aber auch technische Können ist einmalig.
Für die meisten von uns fand der ereignisreiche Tag seinen Abschluß mit dem Besuch der Oper “Salome” von Richard Strauß in der Semperoper. Nichts erinnerte bei diesem Musentempel an die vollständige Zerstörung der Bombennacht vom Februar 1945. 1977 begann unter Leitung des Architekten Wolfgang Hänsch die Wiederherstellung des Opernhauses. 40 Jahre nach der Zerstörung - am 15. Februar 1985 - wurde die Semperoper mit der Aufführung des “Freischütz´” von Carl Maria von Weber  dem musikbegeisterten Publikum wieder übergeben, jener Oper, die als letzte vor der Schließung des Opernhauses während des Zweiten Weltkrieges gespielt worden war.

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03.10.2006

Zu angemessener Zeit gegen 09.00 Uhr saßen alle im Reisebus, um den Weg nach Thomasberg anzutreten. Wohlbehalten trafen wir dort kurz nach 20.00 Uhr ein. Alle waren  um zahlreiche Erkenntnisse reicher geworden. Die vielen neuen Eindrücke und Erlebnisse, ob kultureller Art, oder auch aus der Begegnung mit anderen Menschen resultierend, müssen selbstverständlich erst einmal verarbeitet werden. Aber ein Resümee kann bereits jetzt gezogen werden. Wir alle wären ärmer, hätten wir an der Fahrt nicht teilgenommen. Die Reise nach Dresden, das Zentrum des Freistaates Sachsen, hat sich gelohnt. Bedauerlich ist nur, daß nicht die gesamte Chorgemeinschaft an dieser Reise teilnehmen konnte.